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Microgreens: Was steckt wirklich drin – und was sagt die Wissenschaft?

  • Autorenbild: Max Plöger
    Max Plöger
  • 11. Apr.
  • 5 Min. Lesezeit

Sie sind klein, aber das täuscht gewaltig: Microgreens – also die jungen Keimlinge von Gemüse, Kräutern und Getreidepflanzen – gelten in der Ernährungsforschung seit einigen Jahren als eines der nährstoffreichsten Lebensmittel überhaupt. Was lange nur Köchen in der Spitzengastronomie bekannt war, ist inzwischen wissenschaftlich gut belegt. Dieser Artikel fasst zusammen, was aktuelle Studien über die gesundheitlichen Vorteile von Microgreens wissen – und was das für deinen Alltag bedeutet.




Was sind Microgreens überhaupt?

Microgreens sind Jungpflanzen, die 7 bis 21 Tage nach der Keimung geerntet werden – in dem Moment, in dem sich die ersten echten Blätter entfalten. Sie sind größer als Sprossen, aber kleiner als Babysalat. Bekannte Sorten sind Brokkoli, Radieschen, Sonnenblume, Erbse, Koriander, Basilikum, Weizengras und natürlich Kresse.

Der entscheidende Punkt: Während der Keimungsphase bündelt die Pflanze enorme Energie und Nährstoffe, um schnell wachsen zu können. Genau in diesem Stadium wird geerntet – und genau deshalb ist die Nährstoffdichte so außergewöhnlich hoch.


Nährstoffdichte: Bis zu 40-fach konzentriert

Einer der meistzitierten Befunde der Microgreens-Forschung stammt aus einer Untersuchung der USDA und der University of Maryland: Microgreens enthalten in ihren Keimblättern eine deutlich höhere Nährstoffkonzentration als das ausgewachsene Gemüse derselben Pflanze.

Quelle: Xiao et al. (2012), Journal of Agricultural and Food Chemistry. DOI: 10.1021/jf2954782

Ein aktueller Review aus dem Jahr 2023, veröffentlicht im Fachjournal Molecules (Bhaswant et al.), bestätigt dieses Bild: Microgreens sind reicher an Vitaminen, Mineralstoffen, Antioxidantien und phenolischen Verbindungen als ihre ausgewachsenen Gegenstücke. Konkret wurden unter anderem folgende Werte dokumentiert:

  • Vitamin C: 20–40 mg pro 100 g Frischgewicht (je nach Sorte)

  • Beta-Carotin (Vorstufe von Vitamin A): 1,5–3,0 mg pro 100 g

  • Calcium: 100–300 mg pro 100 g

  • Eisen: 0,2–1,5 mg pro 100 g

Quelle: Bhaswant et al. (2023), Molecules, 28(2), 867. DOI: 10.3390/molecules28020867

Zum Vergleich: Ausgewachsener Brokkoli enthält rund 89 mg Vitamin C pro 100 g – Brokkoli-Microgreens können diesen Wert nach aktuellen Messungen übertreffen. Die Nährstoffkonzentration hängt allerdings von Sorte, Anbaubedingungen und Erntezeitpunkt ab.


Antioxidantien: Schutz auf Zellebene

Microgreens sind außergewöhnlich reich an Antioxidantien – Verbindungen, die freie Radikale neutralisieren und damit oxidativen Stress reduzieren. Dieser Mechanismus steht in Zusammenhang mit der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer.

Besonders hervorzuheben sind dabei:

  • Anthocyane: 

  • Glucosinolate: 

  • Phenolische Verbindungen: 

Quellen: Bhaswant et al. (2023), Molecules; Zhang et al. (2021), Journal of Future Foods, 1(1), 58–66.


Entzündungshemmende Wirkung

Chronische Entzündungen gelten als Mitverursacher vieler moderner Zivilisationskrankheiten – von Typ-2-Diabetes über Herzkrankheiten bis hin zu bestimmten Krebsarten. Mehrere In-vitro- und In-vivo-Studien zeigen, dass Microgreens entzündungshemmende Eigenschaften besitzen.

Ein umfangreicher Review, 2024 im Fachjournal Heliyon publiziert (Treadwell et al.), wertet die bisherige Forschung aus und kommt zu dem Schluss, dass In-vitro- und In-vivo-Untersuchungen antioxidative, antikanzerogene, antibakterielle, antientzündliche, antiobesogene und antidiabetische Eigenschaften von Microgreens belegen.

Quelle: Heliyon, 2024 Feb 29;10(4). DOI: 10.1016/j.heliyon.2024.e26247. PMC10881865.

Wichtig: Der Großteil dieser Studien ist experimentell. Direkte klinische Studien am Menschen, die Microgreens als Intervention einsetzen, sind noch begrenzt – die Forschung ist im Aufbau. Was wir sagen können: Die bioaktiven Verbindungen in Microgreens sind gut charakterisiert, und ihre Wirkprinzipien sind in anderen Kontexten (z.B. bei ausgewachsenem Brokkoli oder Kresse) bereits klinisch belegt.


Blutzucker und Stoffwechsel

Einige Microgreens-Sorten zeigen in Laborstudien interessante Effekte auf den Blutzuckerstoffwechsel. Besonders Bockshornklee-Microgreens wurden untersucht: Eine Studie zeigte, dass Extrakte dieser Pflanze die enzymatische Freisetzung von Glukose hemmen und die zelluläre Glukoseaufnahme beeinflussen können.

Quelle: Wadhawan et al. (2017), International Journal of Food Science and Technology, 53, 320–326.

Auch hier gilt: Diese Ergebnisse stammen aus In-vitro-Experimenten. Sie sind kein Ersatz für medizinische Behandlung, liefern aber biologisch plausible Hinweise auf positive Stoffwechseleffekte.


Mineralien: Kalium, Kalzium, Eisen, Zink

Brassicaceae-Microgreens (also Kresse, Brokkoli, Senf, Radieschen und Verwandte) sind laut einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025, veröffentlicht bei PeerJ, gute Quellen für Kalium (K), Kalzium (Ca), Eisen (Fe) und Zink (Zn). Letzteres ist besonders relevant für Immunfunktion und Wundheilung.

Ein weiterer Befund dieser Arbeit: Microgreens wiesen im Vergleich zu ausgewachsenem Salat höhere Konzentrationen von Kalzium, Magnesium, Eisen, Mangan, Zink, Selen und Molybdän auf – bei gleichzeitig sehr niedrigem Nitratgehalt, was sie für empfindliche Zielgruppen interessant macht.

Quelle: PeerJ, 2025. DOI: 10.7717/peerj.17938. PMC12662059.


Kresse im Besonderen: Ein unterschätztes Superfood

Kresse ist die bekannteste Vertreterin der Microgreens – und wissenschaftlich eine der am besten untersuchten. Sie gehört zur Familie der Kreuzblütler und enthält neben Vitamin C und Beta-Carotin auch Senfölglycoside (Glucosinolate), die ihr den charakteristisch scharfen Geschmack geben und gleichzeitig für einen Großteil ihrer gesundheitlichen Wirkung verantwortlich sind.

Glucosinolate werden beim Kauen oder Schneiden enzymatisch in Isothiocyanate umgewandelt – Verbindungen, die in der Krebsforschung intensiv untersucht werden und in Laborstudien zelluläre Schutzmechanismen aktivieren. Besonders Sulforaphan, das auch in Brokkoli-Microgreens vorkommt, hat hier eine starke Evidenzbasis.


Wie viel davon braucht man täglich?

Microgreens sind kein Medikament und kein Nahrungserg00e4nzungsmittel 2013 sie sind Lebensmittel. Die Frage nach einer wirksamen Dosis stellt sich daher anders als in der Pharmakologie.

Was die Forschung nahelegt: Weil Microgreens deutlich konzentrierter sind als ausgewachsenes Gemüse, sind kleinere Mengen ausreichend, um einen relevanten Nährstoffbeitrag zu leisten. Eine handvoll Microgreens (ca. 30–50 g) täglich über das Essen gestreut kann – als Teil einer ausgewogenen Ernährung – einen messbaren Unterschied machen.

Quelle: Park et al. (2018), Journal of Agricultural and Food Chemistry. PMID: 30343573.


Wie du Microgreens am besten in den Alltag integrierst

Der praktische Vorteil von Microgreens ist ihre Einfachheit. Kein Kochen, kein Vorbereiten – einfach oben drauf:

  • Auf Brot, Brötchen oder Toast

  • In Bowls, Salate oder Pasta gerührt

  • Als Topping auf Suppen oder Omelette

  • In grüne Smoothies gemischt

  • Als schnelle Beilage zum Mittagessen im Homeoffice

Wichtig: Microgreens nicht kochen – hitzeempfindliche Vitamine wie Vitamin C und viele Antioxidantien werden durch Wärme abgebaut. Am besten frisch und roh verwenden.

Fazit

Microgreens sind keine Marketingerfindung. Die wissenschaftliche Evidenz für ihre außergewöhnliche Nährstoffdichte ist solide – auch wenn klinische Langzeitstudien am Menschen noch ausstehen. Was wir wissen: Sie sind konzentrierte Quellen von Vitaminen, Mineralstoffen und bioaktiven Pflanzenstoffen mit nachgewiesenen antioxidativen und antientzündlichen Eigenschaften.

Für den Alltag bedeutet das: Wer täglich eine kleine Portion Microgreens in seine Mahlzeiten integriert, tut seiner Ernährung etwas Gutes – mit minimalem Aufwand und maximalem Nährwert.


Quellen & weiterführende Literatur

  • Xiao Z. et al. (2012): Microgreens of Brassicaceae: Mineral Composition and Content of 30 Edible Species. Journal of Agricultural and Food Chemistry. DOI: 10.1021/jf2954782

  • Bhaswant M. et al. (2023): Microgreens – A Comprehensive Review of Bioactive Molecules and Health Benefits. Molecules, 28(2), 867. DOI: 10.3390/molecules28020867. PMC9864543.

  • Heliyon (2024): Microgreens on the Rise: Expanding our Horizons from Farm to Fork. DOI: 10.1016/j.heliyon.2024.e26247. PMC10881865.

  • PeerJ (2025): Microgreens: Nutritional Properties, Health Benefits, Production Techniques, and Food Safety Risks. DOI: 10.7717/peerj.17938. PMC12662059.

  • Zhang Y. et al. (2021): Nutritional Quality and Health Benefits of Microgreens, a Crop of Modern Agriculture. Journal of Future Foods, 1(1), 58–66.

  • Park E. et al. (2018): The Science behind Microgreens as an Exciting New Food for the 21st Century. Journal of Agricultural and Food Chemistry. PMID: 30343573.

  • Wadhawan S. et al. (2017): In vitro Regulation of Enzymatic Release of Glucose and its Uptake by Fenugreek Microgreen and Mint Leaf Extract. IJFST, 53, 320–326.

  • Seth T. et al. (2025): Microgreens: Functional Food for Nutrition and Dietary Diversification. Plants, 14(4), 526. DOI: 10.3390/plants14040526.


Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt.


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